Mittwoch, 4. April 2012

Der Anfang vom Ende

Mitarbeiter im Bundestagsbüro Willi Zylajew MdB

"Oh, Herr Witmer, heute sogar mit Jeans!", bemerkte die Büroleiterin heute Morgen als ich gerade dabei war mir eine Flasche Wasser an meinen Arbeitsplatz zu stellen. Ich frage mich echt, woher diese Reaktion kommt. Eine solche Bemerkung haben auch schon zwei andere Leute in meiner Zeit hier gemacht. Sieht man mir schon nach kürzester Zeit irgendwie an, dass ich - auch wenn ich nicht im Bundestag arbeite und keiner Kleiderordnung unterstehe - kaum Jeans trage?- Komisch.

Der Anfang vom Ende hat nun begonnen. Gestern hatte ich noch das Vergnügen bei einer Pressekonferenz dabei zu sein, bei der Willi Zylajew zum Thema "Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz" sprach. Herr Zylajew war extra für diesen Termin aus dem Wahlkreis nach Berlin geflogen. Am Abend sollte es wieder zurück gehen. - Vor und nach Ostern sind keine Sitzungswochen. Also sind auch in meiner verbleibenden Zeit in Berlin keine Sitzungswochen mehr. Bedeutet: Herr Zylajew wird - voraussichtlich - nicht mehr in Berlin sein. Also: Gruppenbild. Der Anfang des Abschiedsnehmens hat begonnen.

Es herrscht allgemeine Abschiedsstimmung. Eine der Damen hat heute ihren Urlaub begonnen, eine weitere ist ab morgen nicht mehr da. Der wissenschaftliche Mitarbeiter hat morgen seinen letzten Arbeitstag im Bundestagsbüro, bevor er eine juristische Laufbahn einzuschlagen versucht. Darauf wurde dann heute mit reichlich Sekt angestoßen (als Ausklang, nicht weil die Kollegen sich freuten ihn loszuwerden). Der Nachfolger wird nun seit gestern eingearbeitet. Das Büro fährt nur noch auf Sparflamme während der Feiertage. - Zu dritt halten wir die Stellung.

Es ist schon ein komisches Gefühl...ich hatte gerade begonnen mich richtig einzufinden...aber ich bin ja noch einige Tage da...und da wird es an Arbeit nicht mangeln...

Sonntag, 1. April 2012

Eine Woche in Bildern



Hm...die kenne ich doch irgendwo her... Ne, aber das kann ja gar nicht sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass das die sind...neeee. Naja, frag' du doch mal. Im schlimmsten Fall stehtst du wie ein Depp dar...aber da gibt es viiiiiiel schlimmeres. - "Sag' mal, kann es sein, dass wir uns letztes Jahr beim Arni Klein in Israel kennengelernt haben?", fragte ich vorsichtig. "Ich wusste doch, dass mir dein Gesicht bekannt vorkam!", kam eine enthusiastische Antwort zurück.

Vor 2 Jahren war ich über Ostern in Japan. Dieses Jahr in Berlin. Vor fast genau einem Jahr war ich mit guten Freunden in Israel - auch über Ostern. In diesem Zusammenhang verbrachten wir einige Zeit im Gebetshaus von Arni Klein. Dort trafen wir u.a. Waltraud und Günter Keil, die Leiter von "Die Brücke Berlin-Jerusalem". Es hat mich heute im ersten Moment vollkommen ungläubig gestimmt, als sie auf einmal im Gospel Haus im Gottesdienst saßen. Konnte das überhaupt sein? Wie konnte das überhaupt sein? In so eine kleinen Gemeinde zufällig an dem Sonntag vorbeizukommen, an dem ich auch noch der Gast-Lobpreisleiter bin...? Total verrückt. Wir haben gleich mal Kontaktdaten ausgetauscht und werden mal schauen, was sich in der Zukunft ergibt.

Immer wieder gerate ich ins Staunen und frage mich was das wohl soll! Es sind mir in meiner Zeit hier schon ein paar solche Sachen passiert. Ich kann es irgendwie kaum fassen!

Donnerstag, 29. März 2012

Termine, Termine...und Deadlines

TOP 1: Heute hatte ich die Ehre mich mit Rita und Hans Scholz, Leiter von TJCII-Deutschland und ehml. Vorstandsmitglied der GGE, zu treffen. Wir wollten etwas über TJCII sprechen (denn ich bin ebenso im Leiterkreis von TJCII-Deutschland) und generell etwas Zeit miteinander verbringen. Die meiste Zeit verbrachten wir jedoch damit, über meine derzeitigen Prozesse zu sprechen (alle Punkte unter "Theologische Themen" aus meinem letzten Post) und knüpften interessanter weise genau am Thema meiner Hausarbeit an ("Wort Gottes in der Ethik Karl Barths"). Ganz zufällig ist Hans ein guter Barth-Kenner und konnte mich noch etwas inspirieren. Hans ist dazu ein hervorragender Seelsorger und brillanter Theologe, den ich immer mehr zu schätzen lerne. Es war mir eine Ehre und ich bin für diese Zeit sehr dankbar.
Die beiden luden mich zum gemeinsamen Mittagessen im Restaurant "Lutter & Wegner" ein. Kurz nachdem wir bestellt hatten, nahm am Tisch neben uns Joschka Fischer mit Kollegen platz. (Dies sei sein Stammrestaurant, so der Kellner später.)

Nach dem Essen erlebten wir noch einen großen Konvoi - Staatsbesuch des Mongolischen Präsidenten. Mal wieder Polizei soweit das Auge sehen konnte. Nach ca. drei Stunden mussten sich dann unsere Wege trennen. Morgen fliegen die Beiden nach Israel weiter.

TOP 2: Meine ganz normale Arbeit im Abgeordnetenbüro...



TOP 3: Heute Abend war ich beim ZDF-Hauptstadtstudio als Zuschauer eingeladen. - Über die Fraktion habe ich eine Freikarte bekommen für die Polit-Talkshow "Maybrit Illner". Gäste waren heute u.a. Kurt Beck, ein Berliner Abgeordneter von den Piraten und ein Pfarrer.
Das interessanteste war für mich, dass mich Kurt Beck beeindruckt hat. Vollkommen daneben benommen hat sich der Pirat. So einen arroganten Schnösel habe ich auch noch nie in Live erlebt. Da fand ich es total angebracht, dass Kurt Beck ihm mitten in der Sendung genau auf diese seine Arroganz ansprach mit der Bemerkung: "Wenn Sie noch länger in der Politik sein sollten, wird Ihnen diese Arroganz und diese unverschämte Art vergehen." Sehr beeindruckt hat mich, dass sich Kurt Beck den Pirat nach der Sendung nochmal beiseite genommen hat und nochmal genau dieses Thema ansprach. (Ich bekam dies in vorbeigehen mit.) - Nach dieser Erfahrung habe ich für Piraten jedoch z.Z. nichts übrig.

Ganz nebenbei muss ich fleißig an meiner Hausarbeit schreiben. Deadline: Samstag.

-Und für die, die sich fragen, was TOP eigentlich bedeutet: Tagesordnungspunkt.-

Mittwoch, 28. März 2012

Zwischenbilanz

Jetzt ist Halbzeit! Meine ersten drei Wochen sind hinter mir, noch knapp drei Wochen vor mir. - Da ballt sich in manchen Köpfen die Frage auf: "Und...? Wie würdest du das bisher alles einordnen, was du schon erlebt hast?" - Nun, es gefällt mir sehr und scheint mir auch ganz gut zu tun. Ich bin von Berlin total beeindruckt und weiß jetzt schon, dass ich es vermissen werde.

Ich mache mir viele Gedanken. Ich könnte ja mal wagen eine Liste aufzustellen, mit der Befürchtung, dass sie zu lang wird:
  • Kindererziehung - Das ist von allem das, was mich am Meisten überrascht. Es kommen immer wieder Erinnerungen aus meiner eigenen Kindheit hoch, die ich neu einordnen kann/muss. Michael erinnert mich an den total hyperaktiven Zappelphilipp-Fabian und ich sehe mich irgendwie in ihm. Darauf dann die Frage: Wie gehe ich damit um? Dann prinzipielle Überlegung zur Kindererziehung.
  • Jegliche theologischen Themen
    • Vergebung/Erlösung
    • Heiligung
    • Buße
    • Ethik
    • Bibelverständnis/Hermeneutik
    • Erkenntnistheorie, in diesem Zusammenhang
      • Natürlich-theologische Fragestellungen
      • Einordnung, Rolle und Bedeutung der Charismen
  •  Politik
    • Rolle in meinem Leben
    • Richtige Entscheidungen treffen, aber wie?
    • Ethik und Politik
  • Ganz allgemeine Fragen zum Leben
  • Wie es weiter geht, wenn ich wieder zu Hause bin

Ist zwar so manches in Gedanken sehr präsent, kann es von einer Sekunde auf die nächste WEG sein... Wie? Indem man Dinge erlebt, wo man sich nur denkt: Das hast du jetzt nicht gerade erlebt, oder? Das sind manchmal so richtige Schock-Momente. So auch heute Morgen.

Dieses Bild ist original von heute morgen.
(Ist aber nicht von mir!)
Nachdem der Gesundheitsausschuss getagt hatte (und für den letzten Tagesordnungspunkt aus Vertraulichkeitsgründen die Mitarbeiter und Praktikanten raus geschickt wurden), dachte ich mir, dass ich - anstatt durch die unterirdischen Gänge zu gehen - meinen Weg ins Büro im sonnigen "draußen" antreten würde. Ich schritt also direkt durch den Hauptausgang des Paul-von-Löbe-Hauses. Es war irgendwie ein bisschen viel los, das merkte ich schon...aber kapiert, was hier los war, hatte ich erst, nachdem ein schwer bewaffneter Scharfschütze mit mehreren Waffen in den Händen an mir vorbei schritt. - Schock. - Die Ausrüstung könnte mit jedem guten Aktionfilm mithalten. - Das erlebt man nun auch nicht alle Tage. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich schnell ein Foto machen würde. Die Frage beantwortete sich jedoch mit der nächsten Erkenntnis von alleine: Der gesamte Bereich vor dem Gebäude war eine Hoch-Sicherheits-Zone. Mit meinem blauen Schildchen gut sichtbar, machte ich mich auf den Weg - erst mal raus aus diesem Bereich.
So war der gekleidet. (Dieses Bild ist nicht von heute morgen)
Eines wusste ich gaaaanz schnell: Wenn nicht dieses Schildchen gewesen wäre, hätte man mich auf der Stelle verhaftet. Nachdem ich mich "in Sicherheit" gebracht hatte, schaute ich noch eine Weile neben der Absperrung zu und fragte mich, was das wohl zu bedeuten habe.
"Entschuldigen Sie", kam eine Stimme von hinter mir. "Wissen Sie, was hier los ist, mit den ganzen Sicherheitskräften?" - Es war eine ältere Dame, die mein blaues Schildchen entdeckt hatte. "Es tut mir Leid, ich weiß es leider auch nicht so recht", antwortete ich ihr wahrheitsgemäß. "Ja, ich verstehe schon, Sie dürfen nicht darüber reden. Ich dachte mir nur, dass das etwas Außergewöhnliches sein muss, weil hier so viel los ist", versuchte sie ein zweites Mal. "Ja, so viel weiß ich", antwortete ich, "Normal ist das nicht. Das sind besondere Sicherheitsmaßnahmen, aber leider weiß ich wirklich nicht, was los ist." "Ja, ich verstehe schon", entgegnete sie wieder. "Sie dürfen nichts sagen. Das ist auch in Ordnung. Es hätte mich nur mal interessiert." Dann ging sie ihres Weges und ließ mich verwirrt und innerlich mit dem Kopf schüttelnd stehen.
Als ich wieder im Büro war, fand ich heraus, dass heute der Ministerpräsident der palästinensischen Autonomiebehörde, im Auswärtigen Ausschuss eingeladen war. - Deswegen also...

Montag, 26. März 2012

Im Deutschen Bundestag

Wie oft wünscht man sich einen Blick hinter die Kulissen...
Hier ein Einblick in die Gebäude des Deutschen Bundestages, die kaum ein Mensch in echt zu sehen bekommt. Die Führung durch den Bundestag ist das eine, aber es gibt außer dem noch vieles, was man nicht sieht.

Hier mein Versuch einen kleinen Ausschnitt zu zeigen:
Ich habe dieses Video extra in Full-HD hochgeladen, damit man so viel wie möglich von den Details hat. (Also möglichst hohe Qualität anzeigen lassen und bitteschön in der Vollbild-Ansicht anschauen!)

Freitag, 23. März 2012

Vereidigung eines Bundespräsidenten

Es hat sich im laufe der Wochen irgendwie eingebürgert, dass ich morgens nach dem Aufstehen direkt schon einen Termin habe. - Ohne dass je drüber geredet wurde oder dass man gemeinsam übereingekommen wäre. Denn Michael ist immer schon viel früher wach als ich - oder als sonst jemand aus der WG.
Sollte ich mal etwas vor meinem Wecker durch den Flur Richtung Toilette streifen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Michael sich gerne mit mir unterhalten möchte. Glücklicherweise versteht er sehr gut, wie wichtig mir mein Schlaf ist, wenn ich mit den Worten "ich lege mich jetzt erst nochmal hin und frühstücke dann später" in mein Zimmer zurückkehre. - Heute sollte das jedoch nicht geschehen.

Mein Morgen beginnt zu früh, schon um 6:30 Uhr. - Heute sollte ich den Chef nämlich schon um 8:30 im Paul-Löbe-Haus, Zimmer E.200, treffen.
Wie immer, steht Michael schon erwartungsvoll vor meiner Tür und eskortiert mich mit großer Freude wohin ich auch gehe. Nächster Halt: Küche. - Etwas verwundert kam ich rein, denn ich bemerkte sofort, dass alles Mögliche noch auf dem Tisch stand. Bevor ich mit meinen Gedenken viel weiter gekommen wäre, verkündete Michael laut: "Ich habe dir auch schon den Tisch gedeckt!" - In der Tat, das hatte er: Genau nach dem Muster, wie ich in den vorherigen Tagen gepflegt hatte den Tisch zu denken. Hatte ich aufgrund der Zeit nicht Zeit mir Gedanken zu machen, war ich dennoch sehr berührt, denn das hatte ich nicht erwartet.

8:24 Uhr erreichte ich den Treffpunkt - eigentlich ein Tag wie jeder andere...hätte die Polizei nicht den gesamten Platz um den Reichstag zur Sicherheitszone gemacht. - Kein Problem aber für Leute mit Hausausweis: Einfach nur Kärtchen zücken und passieren! Und dann wäre da noch die ganze Presse. Eigentlich sind Horden von Publizisten kein besonderer Anblick, aber heute versammelte sich die ganze Latte, als sei gerade Bienenkönigin samt Schwarm ausgeflogen. - Und in gewisser Weise ist ja genau das passiert: Bundespräsident Gauck wird im Reichstag vereidigt.

Eine halbe Stunde nach der
Vereidigung: Immer noch
Presse en Masse.

8:45 Uhr: Dank meines Chefs konnte ich noch einen Platz auf der Besuchertribüne ergattern und konnte dieses einzigartige Erlebnis live miterleben. Gaucks Rede fand ich gar nicht so gut, umso besser fand ich jedoch die Rede des Bundestagspräsidenten Dr. Lamert. Abgesehen von den Reden, beeindruckt mich das ganze Geschehen. (Was nicht bedeutet, dass ich keinerlei Vorbehalte oder Fragen hätte.) - Ich war sehr bewegt, auch wenn ich nicht genau weiß wie oder warum. Ich hatte an zwei Stellen sogar Tränen in den Augen. Nichts davon kann ich mir so recht erklären, außer dass irgendwas "war". (Ich bin selbst mit diesem Erklärungsversuch unzufrieden.)

Nach der Zeremonie taumelte Presse aus ganz Europa im Reichstagsgebäude herum. - Eine gute Gelegenheit sich manches näher anzuschauen. Jetzt hatte ich erst mal bis 15 Uhr frei. Diese Zeit nutzte ich, um trotz herrlichen Sonnenscheins meine Hausarbeit in der Bibliothek weiter zu schreiben. Dann Mittagessen und durch die Gebäude des Deutschen Bundestages umherziehen, um Bildmaterial für meinen nächsten Video-Blog anzufertigen.

Mein Tag war erst um 21 Uhr zu Ende, als ich ermüdet die Wohnung betrat. Ab dem Nachmittag hatten wir (das Abgeordnetenbüro) einige Jugendliche aus dem Wahlkreis vom Leo-Club im Haus. Es stand ein Abgeordnetengespräch mit gründlicher Hausführung, Abendessen, Tribünenbesuch im Reichstag und gemeinsamen Ausklang auf dem Plan. Nach so einem Tag konnte man nur platt sein.

Donnerstag, 22. März 2012

Eine Plenardebatte

Ich stelle fest, dass ich hier gerne viel mehr schreiben und posten würde...aber mir fehlt einfach die Zeit...
Gestern war einiges los, z.B. Gesundheitsausschuss, habe dann meine erste Live Merkel-Rede in der Fraktion gehört und gestern Abend habe ich zum ersten Mal von der Besuchertribüne aus eine Plenarsitzung verfolgt. Da hat dann auch mein Chef geredet.
Wer Interesse hat, kann hier die Rede schauen und sich mal ein Bild von "meinem" Abgeordneten machen:



Leider muss man das ganze im Zusammenhang schauen, um diesen Beitrag richtig zu verstehen. (Der ist aber über eine Stunde...das will ich also niemandem zumuten...) Seine Vorredner aus den anderen Parteien habe z.T. nur gebrüllt wie blöd, habe meiner Meinung nach keine guten Argumente gebracht, sondern eher eine Ideologie vertreten und haben ausschließlich die anderen Parteien angegriffen.
Mit Ausnahme der CDU/CSU bestand jede Partei darauf: "Die Wähler werden Ihre eigennützige Wahlkampfpolitik erkennen und werden entsprechend reagieren." - Dies sollte heißen: "Ihr könnt den Wähler nicht verarschen. Der bekommt das mit und wird euch dann bei der nächsten Wahl bestrafen."
Allerdings irgendjemanden muss der Wähler ja wählen. Es kann also nur eine Partei mit diesem Argument also richtig liegen.

Das ganze war sehr unterhaltsam...aber es hat mich schon etwas geschockt. - Zum Glück läuft die Politik nicht überall wie in diesem Plenum...